Umsatzsteuer im Verein: Tipps für Schatzmeister

Für alle entgeltlichen Leistungen im Rahmen eines Leistungsaustausches (also: Leistung gegen Entgelt) wird Umsatzsteuer fällig. Der eine erbringt eine Leistung – zum Beispiel der Verein – und der andere nimmt diese Leistung ab. Der Verein wird damit umsatzsteuerlich also wie ein Unternehmen behandelt. Das heißt aber auch, dass unter den richtigen Umständen die Umsatzsteuerbefreiung für ihn gilt.

Die Kleinunternehmerregelung

Bewegen sich die Umsätze des Vereins (inklusive seiner Abteilungen und Untergliederungen) in einem bestimmten niedrigen Bereich, ist er von der Umsatzsteuer befreit. Im Rahmen der Kleinunternehmerregelung gilt ein Verein als Kleinunternehmer gemäß § 19 des Umsatzsteuergesetzes, wenn seine Umsätze

  • im vorangegangenen Kalenderjahr weniger als 17.500 Euro betragen haben und
  • im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht übersteigen werden.

Sobald eine der beiden Grenzen überschritten wird, gilt die Umsatzsteuerpflicht.

Ein Beispiel zur Übersicht

Der Fiskus hält zur Schulung seiner Mitarbeiter ein anschauliches Beispiel bereit, dass sich Finanzreferent Klaus Wachter vom Finanzamt Ravensburg ausgedacht hat.
Der Musikverein MV erzielt in den Jahren 2016 – 2018 folgende Einnahmen:

Mitgliedsbeiträge Vereinsfeste
2016  5.000 €15.000 €
2017  5.000 €20.000 €
2018  5.000 €16.000 €

Ist der Verein in den Jahren 2017 bzw. 2018 umsatzsteuerpflichtig?

2017 – Der Umsatzsteuerpflicht unterliegen lediglich die Einnahmen aus Vereinsfesten, nicht aber die Mitgliedsbeiträge und Spenden. Da der Musikverein im Vorjahr (2016) mit seinen steuerpflichtigen Einnahmen von 15.000 € die Grenze von 17.500 € nicht überschritten hat, wird der Musikverein in 2017 nicht umsatzsteuerpflichtig.

2018 – Der Musikverein MV hat im Vorjahr (2017) mit seinen steuerpflichtigen Einnahmen von 20.000 € die Grenze von 17.500 € überschritten, sodass er im Jahr 2018 umsatzsteuerpflichtig wird. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Verein im Jahr 2018 die Kleinunternehmergrenze von 17.500 € nicht überschreitet.

Unternehmerische Tätigkeiten

Umsatzsteuer fällt beim gemeinnützigen Verein nur für unternehmerische Tätigkeiten an. Der Verein kann in vier (steuerlichen) Bereichen tätig sein. Davon ist aber der ideelle Bereich (der Bereich, in dem unmittelbar die Satzungszwecke erfüllt werden) niemals unternehmerisch. Im Zweckbetrieb (der Bereich, in dem sich der Verein wirtschaftlich betätigt, aber nur unmittelbar zur Erfüllung der satzungsgemäßen Zwecke) unterliegt der Verein lediglich dem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Daraus ergibt sich folgendes Bild:

BereichBeispielUmsatzsteuer?
Ideeller BereichMitgliedsbeiträge, 
Spenden, Zuschüsse
nein
Zweckbetriebsportliche Veranstaltungen 
bis 45.000 Euro, Lotterien 
für gemeinnützige Zwecke, 
Museen, Theater, Konzerte
7 %
VermögensverwaltungBankgeschäfte, Vermietung 
von Grundbesitz, Verpachtung, 
Werberechte
ggf. 7 %, wenn nicht 
von vornherein
umsatzsteuerfrei (z. B. 
Vermietung)
Wirtschaftlicher GeschäftsbetriebVerkauf von Kaffee und 
Kuchen beim Turnier, 
Vereinsheim usw.
Regelsteuersatz (7 % 
oder 19 %)

Jährliche Prüfung ist wichtig

Man sollte jährlich prüfen, ob der Verein in die Umsatzsteuerpflicht rutscht – dann werden Umsatzsteuervoranmeldungen zur Pflicht. Außerdem muss in den Rechnungen, die der Verein ausstellt, auch Umsatzsteuer (zusätzlich) ausgewiesen werden. Im Gegenzug dafür kann der Schatzmeister dann aber auch aus allen Eingangsrechnungen die Mehrwertsteuer abziehen und geltend machen.

Freiwillige Umsatzsteuer ist möglich

Auch Vereine, die steuerlich als Kleinunternehmer gelten, können zur Umsatzsteuer optieren, dem Finanzamt also mitteilen, dass sie umsatzsteuerpflichtig sein möchten. Das lohnt sich in der Regel dann, wenn der Verein größere Vorhaben (Bau eines Vereinsheims zum Beispiel) plant oder wenn der Verein hohe Einnahmen aus der Verpachtung von Werberechten erzielt. Man kann die Option bis zur endgültigen Umsatzsteuerfestsetzung eines Jahres abgeben, ist danach aber für mindestens fünf Jahre daran gebunden.

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