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Kassenwart: Was Sie unbedingt zum wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb wissen müssen!

Vereinswissen aktuell

Der Kassenwart und die Tücken des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes

Generell gliedert sich das wirtschaftliche Vereinsleben in folgenden 4 Bereiche:

1. Ideeller Bereich

Nimmt Ihr Verein beispielsweise auch Aufgaben gegen Entgelt wahr, die nicht von der Satzung abgedeckt sind, fallen diese Einnahmen nicht in den steuerfreien ideellen Bereich. Sie gehören in den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (sofern sie nicht der Vermögensverwaltung zugeordnet und ggfs. versteuert werden müssen).

2. Vermögensverwaltung

Hierher gehören insbesondere Einkünfte aus Kapitalvermögen (z. B. Zinsen aus Sparbüchern) und Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Das Ergebnis wird dem ideellen Bereich zugeordnet. Also alle Zinseinnahmen, Mieteinnahmen usw. aus diesem Bereich ordnen Sie diesem auch zu.

3. Zweckbetrieb(e)

Erfasst wird hier der steuerlich begünstigte wirtschaftliche Geschäftsbetrieb. Dazu zählen z. B. staatlich genehmigte Lotterien und Ausspielungen für gemeinnützige Zwecke, kulturelle und bestimmte sportliche Veranstaltungen, aber auch Alten- und Pflegeheime sowie Behindertenwerkstätten.

4. Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb

Alle wirtschaftlichen Aktivitäten (Bereiche) Ihres Vereins, die nicht zum Zweckbetrieb gehören, werden zu einem einzigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zusammengefasst. Für jede wirtschaftliche Aktivität, also für jeden wirtschaftlichen Bereich, ermitteln Sie getrennt die Einnahmen und Ausgaben.

Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb ist sehr häufig der Bereich, um zusätzliches Geld für den Verein zu beschaffen. Hier werden die Mittel beschafft, die dann zur Finanzierung der satzungsmäßigen Aufgaben dringend benötigt werden.

Achtung: Gerade deshalb ist hier als Kassenwart im Verein Vorsicht geboten, da dieser wirtschaftliche Bereich einerseits auch für gemeinnützige Vereine keine steuerlichen Vorteile besitzt und andererseits bezüglich der Gemeinnützigkeit lediglich von untergeordneter Rolle sein darf, damit Ihr Verein nicht Gefahr läuft, als (rein) wirtschaftlicher Verein eingestuft zu werden.

Umsatzsteuer beachten!

Fällt Ihr Verein nicht unter die Kleinunternehmerregel (= Einnahmen im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, Zweckbetrieb und Vermögensverwaltung übersteigen im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht) sind die Einnahmen im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb in der Regel umsatzsteuerbar, da ein Leistungsaustausch vorliegt. Das heißt: Es stehen sich Leistung und Gegenleistung gegenüber. Dementsprechend kann auch aus den Kosten ein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden, sofern die entsprechenden Rechnungen/Quittungen die Voraussetzungen des § 14 Umsatzsteuergesetz (UStG) ordnungsgemäß erfüllen.

Körperschaft- und Gewerbesteuer: So ermitteln Sie die Steuerlast des Vereins

Überschreitet Ihr Verein mit seinem Umsatz (nicht Gewinn) in einem Kalenderjahr die Grenze von 35.000 Euro, wird er körperschaft- und gewerbesteuerpflichtig. Um das zu überprüfen, gehen Sie als Kassenwart wie folgt vor:

Stufe 1: Ermittlung der Bruttoerlöse

Hier prüfen Sie, ob die 35.000-Euro-Grenze überschritten wird. Beispiel Ihr Verein erzielt bei einer Discoveranstaltung aus Anlass seines Vereinsjubliäums einen Erlös aus dem Verkauf von Speisen und Getränken in Höhe von 30.000 Euro. Weitere Veranstaltungen gibt es nicht. Unabhängig davon, welche Kosten dem Verein entstanden sind, fällt keine Körperschaft- und Gewerbesteuer an, weil die Bruttoerlöse unterhalb der 35.000-Euro-Grenze im entsprechenden Jahr liegen.

Stufe 2: Ermittlung des Gewinns

Wenn die Bruttoerlöse im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb oberhalb dieser 35.000-Euro-Grenze liegen, müssen Sie als Kassenwart im nächsten Schritt die entsprechenden Kosten abziehen. Der somit ermittelte Gewinn ist grundsätzlich der Körperschaft- und Gewerbesteuer zu unterwerfen.

Beispiel: Ihr Verein erzielt bei einer Discoveranstaltung Erlöse aus dem Verkauf von Speisen und Getränken in Höhe von 40.000 Euro. Gleichzeitig sind Kosten für den Einkauf von Speisen und Getränken, die Miete für Thekeneinrichtung, GEMAGebühren, Kosten für den Brandsicherheitsdienst usw. in Höhe von 30.000 Euro angefallen. Ihrem Verein bleibt also ein Gewinn von 10.000 Euro, der grundsätzlich mit Körperschaft- und Gewerbesteuer zu besteuern ist. Trotzdem werden nicht zwangsläufig Steuern fällig! Der Fiskus gewährt einen Freibetrag in Höhe von 5.000 Euro. Das heißt, sofern der Verein weniger als 5.000 Euro Gewinn erwirtschaftet hat, bleibt dieser ebenfalls von Körperschaft- und Gewerbesteuer verschont, auch wenn die Bruttoerlöse mehr als 35.000 Euro betragen haben.

Sie rechnen also wie folgt:

Bruttoerlöse 40.000 Euro

./. Kosten 30.000 Euro

= Gewinn 10.000 Euro

./. Freibetrag 5.000 Euro

= zu versteuern 5.000 Euro

Die Körperschaftsteuer beträgt 15 Prozent. Hinzu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag bezogen auf die Körperschaftsteuer.

Die Rechnung sieht also in diesem Beispiel folgendermaßen aus:

5.000 Euro x 15 % = 750,00 Euro Körperschaftsteuer

750 Euro x 5,5 % = 41,25 Euro Solidaritätszuschlag

791,25 Euro Steuerbelastung

So berechnen Sie die Gewerbesteuerbelastung

Die Höhe der Gewerbesteuer hängt vom jeweiligen Gewerbesteuer-Hebesatz Ihrer Gemeinde ab, so dass es hier zu regional unterschiedlichen Steuerbelastungen kommt. Bei einem angenommenen Hebesatz von 400 Prozent, berechnet sich die Steuerbelastung für Ihren Verein wie folgt:

Steuermessbetrag:

5.000 € x 3,5 % = 175 €

Steuerbelastung:
175 € x 400 % = 700 €

Achtung: Erst wenn Ihr Verein von der Gemeinde einen Gewerbesteuerbescheid bekommt, müssen Sie auch zahlen. Besonderheiten bei Einnahmen aus Sponsoring Erzielt Ihr Verein Einnahmen aus Sponsoring, verbuchen Sie als Kassenwart diese in der Regel im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Ein wichtiger Begriff bei der steuerlichen Einordnung von Sponsoring ist dabei der des „Leistungsaustauschs“. Es geht also charakteristischerweise um eine Leistung, für die eine Gegenleistung erfolgt.

Beispiel: Ein Sponsor ist bereit, eine Veranstaltung Ihres Vereins finanziell zu unterstützen. Im Gegenzug erklärt sich der Verein einverstanden, dass der Sponsor auf sämtlichen Plakaten, Flyern, Eintrittskarten etc. als Sponsor abgedruckt wird, und schaltet zudem auf der Vereins- Homepage das Logo des Sponsors mit direkter Verlinkung zu dessen Website.

Folge: Hier stehen sich eindeutig Leistung und Gegenleistung gegenüber. Der Sponsor unterstützt den Verein nur dann, wenn dieser ihm im Gegenzug die entsprechende Werbeplattform für sein Unternehmen zur Verfügung stellt. Eine „Wenndann-Beziehung“ führt zwingend zu einem Leistungsaustausch und damit grundsätzlich zur Umsatzsteuerbarkeit.

Was Sie bei Banden- und Trikotwerbung beachten müssen

Auch bei Banden- und Trikotwerbung gilt der Leistungsaustausch. Es sei denn, der Sponsor würde hiermit keine oder nur eine geringe Werbewirkung erreichen können. Zum Beispiel bei Trikotwerbung der D-Jugendmannschaft, die mehr unterstützende als werbende Wirkung hat, da bei den Spielen ja kaum Zuschauer sind.

Achtung: Oftmals ist es so, dass den Erlösen aus Sponsoring keine oder nur geringe Kosten gegenüberstehen, sodass die Erlöse auch annähernd den Gewinn darstellen. Dementsprechend hoch ist hier die Steuerbelastung. Beispiel Ein Fußballverein umrandet seinen Sportplatz mit Bandenwerbung.

Für eine Drei-Meter-Bande zahlt der Sponsor monatlich einen Betrag von 178,50 Euro. Die Einnahmen summieren sich also auf 2.142,00 Euro im Jahr. Die Herstellungskosten für eine solche Bande liegen bei 500 Euro. Das heißt, dem Verein verbleibt ein Gewinn von 1.642 Euro. Der Gewinn beläuft sich also auf rund 77 Prozent, bezogen auf die Erlöse (1.642 Euro von 2.142 Euro = 77 %).

So werden nur 15 % der Einnahmen versteuert § 64 Absatz 6 der Abgabenordnung (AO) bietet eine Option: Sofern Werbung für Unternehmen betrieben wird, die im Zusammenhang mit der steuerbegünstigten Tätigkeit einschließlich Zweckbetrieben stattfindet, kann der Besteuerung mit Körperschafts- und Gewerbesteuer ein Gewinn von 15 Prozent der Einnahmen zugrunde gelegt werden. Wird von dieser Option kein Gebrauch gemacht, ermittelt sich der Gewinn regulär durch Abzug der Betriebsausgaben von den Betriebseinnahmen.

In obigem Beispiel wird die Bandenwerbung im Rahmen der steuerbegünstigten Tätigkeit (= Förderung des Sports) ausgeführt, sodass hier diese Gewinnpauschalierung in Anspruch genommen werden kann. Es ergibt sich damit Folgendes: Sponsoring-Erlöse 2.142,00 Euro davon 15 % = Gewinn 321,30 Euro

Das heißt: Der Verein unterwirft also nicht die Sponsoring-Erlöse nach Abzug der Kosten und damit 1.642 Euro (2.142 € – 500 €) der Körperschaft- und Gewerbesteuer, sondern versteuert als Gewinn lediglich 321,30 Euro.

  1. Achtung: Diese Gewinnpauschalierung erfolgt nicht automatisch, sondern muss von Ihnen als Kassenwart bzw. Vorstand beim Finanzamt mit Einreichung der Steuererklärung beantragt werden. Auszufüllen sind hierfür die Zeilen 27 und 28 des Formulars „Gem1 – Erklärung zur Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer von Körperschaften, die gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen“.
  2. Achtung: Die Option bindet nicht für mehrere Veranlagungszeiträume. Das heißt, es kann bzw. es sollte jährlich neu von Ihnen als Kassenwart überprüft werden, ob diese Option für den Verein steuerlich vorteilhaft ist. Wenn ja, wählen Sie sie – wenn nein, folgenden Sie der Ist-Besteuerung. Die kleine Rechenarbeit lohnt sich: So spart Ihr Verein jedes Jahr aufs Neue maximal Steuern!

 
 
 
 
 
 
 
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