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Ehrenamtspauschale: Zahlen Sie wirklich immer nur streng nach Gesetz und Vorschrift

Vereinswissen aktuell

Fall: Damit hatte der Sozialverein aus Nordrhein-Westfalen nun wirklich nicht gerechnet. Er betreibt einen Hausnotrufdienst und gewährte seinen Helfern den Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 des Einkommensteuergesetzes. Doch bei einer Betriebsprüfung wurde es unangenehm.

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Urteil: Der Betriebsprüfer war spitzfindig und entschied: Nur wer echte Rettungseinsätze macht, darf den Übungsleiterfreibetrag bekommen, wer „Hintergrunddienst“ leistet, dagegen nicht. Um mehr als 80.000 Euro ging es, die der Verein auf einen Schlag nachzahlen sollte. Doch er hatte Glück, das Finanzgericht Köln stellte sich mit seinem am 6. Juli 2015 veröffentlichten Urteil vom 25. Februar 2015 (Az. 3 K 1350/10) auf die Seite des Sozialvereins. Denn das Finanzgericht Köln hält auch den „Hintergrunddienst“ für eine Tätigkeit, die mit dem Übungsleiterfreibetrag bedacht werden darf. Es spiele keine Rolle, ob sich jemand im tatsächlichen Rettungsdienst befindet oder in Rufbereitschaft hierfür. Allerdings ist sich das Finanzgericht Köln letztendlich doch nicht ganz sicher, denn es hat eine Revision beim Bundesfinanzhof zugelassen. 

Der Fiskus prüft streng 

Nun können Sie einwenden: „Wir beschäftigen aber gar keine Rettungskräfte.“ Doch trotzdem betrifft der Fall alle Vereine in Deutschland, die den Übungsleiterfreibetrag nach § 3 Nr. 26 EStG oder die Ehrenamtspauschale nach § 3 Nr. 26a EStG nutzen. Denn der Fall zeigt exemplarisch, wie genau der Fiskus recherchiert. Er kontrolliert streng, ob wirklich nur diejenigen Personen vom Verein bedacht werden, die auch tatsächlich nach dem Wortlaut des Gesetzes bzw. der Abgabenordnung ein Anrecht darauf haben. 

Nebenberuflichkeit ist das entscheidende Kriterium bei der Ehrenamtspauschale

Ebenso genau schaut der Fiskus hin, ob wirklich nur Personen bedacht werden, die das Kriterium der sogenannten „Nebenberuflichkeit“ erfüllen. Das heißt: 

§ Die Tätigkeit darf nicht mehr als ein Drittel des „vergleichbaren Vollzeiterwerbs“ einnehmen. 

§ Die Tätigkeit wird nicht auch im Hauptberuf vom Begünstigten ausgeübt. 

Doch was gilt nun im Einzelnen mit Blick auf die begünstigten Tätigkeiten an sich? 

Das gilt für die Ehrenamtspauschale 

Begünstigt durch die Ehrenamtspauschale sind sämtliche Tätigkeiten im 

       gemeinnützigen, 

       mildtätigen und 

       kirchlichen Bereich, 

wenn sie rein ehrenamtlich ausgeübt werden. Begünstigt sind damit alle nebenberuflich ausgeübten Tätigkeiten für den ideellen Bereich oder den Zweckbetrieb Ihres Vereins: 
Erzielt ein Ehrenamtler Einnahmen teils für eine Tätigkeit, die unter § 3 Nr. 26a EStG fällt (Ehrenamtspauschale), und teils für eine andere Tätigkeit, die nicht darunter fällt, gilt lediglich für den auf das Ehrenamt entfallenden Teil der Freibetrag. 

Beispiel: Frau Müller arbeitet in der Geschäftsstelle als 450-Euro-Kraft. Ein Drittel der Zeit kümmert sie sich um die Sponsorengewinnung (= wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb, nicht begünstigt). Zwei Drittel der Zeit widmet sie der Mitgliederbetreuung (= ideeller Bereich). In diesem Fall kann nur der Zwei-Drittel-Anteil aus dem ideellen Bereich berücksichtigt werden. 

Das heißt konkret: Bei 450-Euro-Kräften, die teils im ideellen Bereich und teils im wirtschaftlichen Betrieb des Vereins tätig sind, braucht nur der nicht begünstigte Teil versteuert werden, solange die 720-Euro-Grenze nicht erreicht ist. 

PRAXIS-TIPP: Mit einer möglichst genauen Tätigkeitsbeschreibung können Sie dem Fiskus gegenüber belegen, welche Tätigkeiten jemand ausübt, der nicht nur offensichtlich einer rein ehrenamtlichen Tätigkeit nachgeht, und worauf Ihre Aufteilung beruht. 

Das gilt für die Übungsleiterpauschale 

Wer das Wort „Übungsleiter“ hört, denkt zunächst an Sporttrainer. Doch im fiskalischen Sinn ist der Begriff des Übungsleiters sehr viel weiter gefasst. Der Fiskus versteht darunter auch Tätigkeiten als Ausbilder, Erzieher, Orchesterleiter und, und, und. Entscheidend ist, dass die von den Übungsleitern ausgeübten Tätigkeiten dazu bestimmt sind, gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke zu fördern.

Gemeinnützige Zwecke werden verfolgt, wenn die Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.

Dazu zählen zum Beispiel: 

§ die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, der Religion, der Völkerverständigung, der Entwicklungshilfe, des Umweltschutzes, des Landschaftsschutzes, des Denkmalschutzes und des Heimatgedankens, 

§ die Förderung der Jugendhilfe, der Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens, des Wohlfahrtswesens und des Sports, 

§ die Förderung der Tierzucht, der Pflanzenzucht, der Kleingärtnerei und des traditionellen Brauchtums. 

Begünstigte Tätigkeiten sind damit beispielsweise: Chorleiter, Dirigent, Jugendleiter, Jugendwart, Mannschaftsbetreuer, Skilehrer, Sporttrainer. 
Begünstigt sind aber auch: Lehr-und Vortragstätigkeiten im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung, Tätigkeiten im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung, die nebenberufliche Pflege im ambulanten Pflegedienst, Altenhilfe. 

Wichtig: Der Übungsleiter muss einen dokumentierten Anspruch auf die Übungsleiterpauschale haben. Schließen Sie deshalb stets einen entsprechenden Vertrag. Ein Muster finden Sie ebenfalls auf www.vereinswelt.de. Und nicht vergessen: Es darf keine „Vermischung“ mit einem eventuell ausgeübten Hauptberuf geben. 

Das Finanzamt fordert eine inhaltliche und organisatorische Abgrenzung der Tätigkeit, für die die Übungsleiterpauschale gezahlt wird, vom eigentlichen Hauptberuf. 

Beispiel: Konrad Gräbner ist Musiklehrer an der Realschule und erteilt Musikunterricht an der örtlichen Volkshochschule. Das bedeutet: Er kann nicht von der Übungsleiterpauschale profitieren, die echte nebenberufliche Dozenten an der Volkshochschule sonst erhalten können. Denn die beiden Tätigkeiten von Herrn Gräbner lassen sich zwar organisatorisch voneinander abgrenzen (Realschule versus Volkshochschule), aber nicht inhaltlich.

Das gilt für den Vorstand

Für eine Zahlung der Ehrenamtspauschale an Mitglieder oder auch Nichtmitglieder darf die Satzung keinen Ausschluss enthalten. Für den Vorstand gilt etwas anderes. Soll er die Ehrenamtspauschale erhalten, muss die Satzung hierfür ausdrücklich eine Satzungsregelung enthalten. Das ist enorm wichtig.

Wird die Ehrenamtspauschale an den Vorstand ohne Satzungsgrundlage gezahlt, kostet das – auch rückwirkend – die Gemeinnützigkeit. Und zwar so lange, bis der „ordnungsgemäße“ Zustand wiederhergestellt ist. Sprich: Bis das der Vorstand entweder keine Ehrenamtspauschale mehr erhält – oder die Satzung geändert wurde.

Das gilt bei einmaligen oder befristeten Tätigkeiten

Die Ehrenamtspauschale darf von Ihrem Verein auch für befristete oder einmalige Tätigkeiten ausgezahlt werden. Eine zeitanteilige unterjährige Aufteilung ist nicht erforderlich. Es müssen ja nicht gleich die vollen 720 € sein.

Die Ehrenamtspauschale ist eine gute Möglichkeit Ihre Vereinsmitglieder für ihr Engagement zu belohnen. Hier zeigen wir Ihnen, wie eine Sie den Erhalt dieser Pauschale rechtssicher Bescheinigen.

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