Störenfried – Vereinsausschluss?

  • This topic has 4 Antworten, 2 Teilnehmer, and was last updated vor 1 Jahr, 3 Monate by  fuema1.
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    Hallo zusammen,
    ich bin mittlerweile ein bisschen verzweifelt und deshalb nun hier auf der Suche nach Rat und Hilfe… Es ist viel Text – tut mit leid – ich würd mich aber freuen, wenn trotzdem jemand alles liest…

    Kurz zu mir und dem Verein:
    ich bin 25 Jahre alt und seit guten zwei Jahren erste Vorsitzende in einem kleinen Fasnachtsverein (Fasnacht ist bei uns das, was wo anders Fasching oder Karneval ist…).
    Wir haben aktuell 16 aktive Mitglieder und ca. 35 passive.
    Meine Eltern haben den Verein zusammen mit 9 anderen vor knappen 25 Jahren gegründet. Mein Vater war lange Jahre erster Vorsitzender (dann wurde er krank und starb). Mittlerweile sind unter den 16 aktiven Mitgliedern noch drei Gründungsmitglieder, eine davon ist meine Mutter, einer davon mein Vorgänger.
    Wir sind kein eingetragener Verein, gehören aber einer Narrenzunft an, die ein e.V. ist.

    Zur langjährigen Problementwicklung:
    Seit ich 14 Jahre alt war durfte ich mit zu Versammlungen, musste aber auch bei Arbeitseinsätzen helfen, damit ich mit 16 Jahren vorzeitig vollwertiges Aktivmitglied (mit Maske zum Kostüm) werden durfte (dies geschah damals per Sonderentscheid in der Vorstandschaft). Ab da begann ich mich auch immer mal wieder kritisch zu äußern, besonders im Hinblick darauf, dass der Verein für junge Menschen unattraktiv sei. Neben mir und meiner zwei Jahre jüngeren Schwester war damals nur ein weiterer Jugendlicher in meinem Alter aktiv, alle anderen waren 35+.
    Dem besagten damaligen Vorsitzenden schien mein Einmischen von Anfang an nicht zu passen – auch nicht seiner Frau, die zu diesem Zeitpunkt seit vier Jahren Aktivmitglied war.
    In den kommenden Jahren spaltete sich der Verein zunehmend in zwei Lager: die einen sahen, dass die von mir verlangte Veränderung nötig war, die anderen wehrten sich dagegen. Als ich 18 Jahre alt war, wurde ich Beisitzer, zwei Jahre später Schriftführerin. In dieser Zeit sind viele „alte“ auch viele Gründungsmitglieder ausgetreten, wir konnten aber auch einige jüngere Mitglieder gewinnen. In der Zwischenzeit hatte ich kaum mehr „Gegner“, lediglich der Vorsitzende und seine Frau, sowie der zweite Vorsitzende (guter Freund der beiden) ließen kein gutes Haar an meiner Arbeit. Der Vorsitzende selbst tat in dieser Zeit immer weniger für den Verein. So kam es, dass die Mitglieder sich weitere zwei Jahre später (2017) für einen Vorstandswechsel aussprachen. Mein Vorgänger stellte sich der Wahl nicht mehr, ich wurde mit drei Gegenstimmen gewählt.

    Der zweite Vorsitzende, der in diesem Jahr nicht zu Wahl stand (wird immer um 1 Jahr versetzt gewählt), erklärte sich auf meine kritische Nachfrage dazu bereit mit mir zusammen zu arbeiten. Im ersten Jahr lief das auch wirklich gut, er brachte sich ein und unterstützte mich, auch in der jährlichen Krisensitzung, die wir immer kurz vor der Generalversammlung zur allgemeinen Aussprache halten, obwohl die besagte Ehefrau permanent „gegen mich schoss“. Nachdem er dann wieder gewählt wurde veränderte sich die Zusammenarbeit. Ich hatte den Eindruck, dass er eher gegen mich, als mit mir arbeitete, er wurde unzuverlässig und verschlossen mir gegenüber.

    Die Sticheleien der Dame nahmen zu. Im Grunde genommen kann und konnte ich ihr nie etwas Recht machen, egal was ich tue. Außerdem verweigert sie sich (übrigens schon seit Jahren) sich Mehrheitsentscheidungen zu fügen und verlangt permanent eine Sonderbehandlung, die vor allem für mich und meine Schwester (meine Nachfolge Schriftführung) enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeuteten.
    Sie motzt und meckert an allem herum, bringt sich selbst aber in keinster Weise ein und zieht sich schon seit Jahren aus Arbeitseinsätzen heraus. Als Grund schiebt sie immer ihr Kind vor.
    Alles in allem war die Stimmung im Verein also schon lange Zeit angespannt und von Konflikten geprägt. Vor allem zwischen besagter Dame und mir. Dazu muss ich auch sagen, dass ich mich anfangs leider sehr oft von ihr provozieren lies und mich in sinnlose Diskussionen mit ihr verstrickte, die alle anderen Mitglieder ertragen mussten. Ich lernte allerdings immer besser damit umzugehen und ruhig zu bleiben.

    Im letzten halben Jahr spitzte sich die sowieso schon angespannte Lage aber weiter zu:
    Über Fasnacht spaltete sich der Verein erneut mehr denn je: Der ehemalige Vorsitzende, seine Frau und der zweite Vorsitzende hielten sich schon lange wann immer es ging von mir, meiner Familie und allen, die sich mit uns gut verstehen fern. Jetzt begannen sie aber auch andere, neuere Mitglieder, die sich bisher mit allen gut verstanden haben „auf ihre Seite“ und von uns anderen weg zu ziehen. Das machte sich auch dadurch bemerkbar, dass einige dieser neueren Mitglieder plötzlich begannen einige Vereinsabläufe und auch mich persönlich auf eine Art und Weise zu kritisieren, wie es bisher nur diese Frau tat. Der zweite Vorsitzende arbeitete in dieser Zeit auch nicht mehr mit mir zusammen, ich hatte den Eindruck, dass auch er mich immer nur noch kritisierte.
    In der genannten Krisensitzung griff mich die Frau wieder mehrfach an, kritisierte mich und meine Arbeit, meine Vorstandskollegen und speziell auch meine Schwester so massiv, dass einige Mitglieder sie immer wieder unterbrochen haben und sie deutlich darauf hingewiesen haben sich zu zügeln. Meine Schwester, die wie ich sehr am Verein hängt, verließ die Sitzung irgendwann unter Tränen, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat.
    Eine junge Frau, die erst seit zwei Jahren Mitglied war, entschied sich außerdem wegen dieser Streitigkeiten aus dem Verein auszutreten.
    Gegen Ende der Sitzung gab die besagte Ehefrau des Vorgängers dann an, dass sie in der kommenden Generalversammlung gegen meine Schwester auf den Posten der Schriftführung kandidieren würde. Während ein Teil der Versammlung offen Bedenken äußerte, schien ein anderer Teil zu hoffen, dass es besser werden würde, wenn wir so zur Zusammenarbeit gezwungen werden würden.

    In den nächsten Tagen habe ich mir viele Gedanken gemacht, mir war dann aber klar, dass ich mit dieser Frau auf keinen Fall so nahe zusammenarbeiten kann, wie es zwischen Vorsitzender und Schriftführung notwendig ist. Deshalb suchte ich das Gespräch mit dem zweiten Vorsitzenden. Er versicherte mir in einem persönlichen Gespräch, dass er selbst überrascht war und dass er meine Bedenken sehr gut nachvollziehen könne und auch teilen würde. Er wollte versuchen mit ihr zu sprechen, ob sie nicht „nur“ für einen Beisitzerposten kandidieren wolle (so hatte sie es wohl auch ursprünglich vor). Er sagte, dass er das Problem auch bei der anderen sehe und nicht bei mir.
    Trotz allem holte ich mir und meiner Schwester dann Hilfe: zur Generalversammlung kamen zahlreichen Gründungsmitglieder und weitere Passivmitglieder, die alle für meine Schwester stimmten, sodass sie die Wahl mit ¾ der Stimmen gewann.
    Es wurde zwar geheim gewählt, trotzdem bin ich mir anhand der Gespräche mit vielen anderen Mitgliedern zu 95% sicher, dass der zweite Vorsitzende für die andere gestimmt hat – das Vertrauensverhältnis von mir zu ihm, was so oder so schon angeknackst war, ist seitdem vollkommen zerstört.

    Dazu kommt, dass die Frau in den beiden Woche zwischen Krisen- und Generalversammlung eine E-Mail an die gesamte Vorstandschaft geschickt hat, in der sie forderte unter anderem folgende Punkte in die geplante Satzungsänderung aufzunehmen:
    – In der Vorstandschaft soll darauf verzichtet werden mehrere Posten mit Personen aus einer Familie zu besetzen
    – 1., 2. Vorstand und Kassierer dürfen nur 250€ alleine ausgeben ohne Vorstandsentscheide
    – Mitglieder sollen erst ab 18 Jahren stimmberechtigt sein
    und noch einige weitere Punkte, die teilweise sehr einschränkend und teilweise auch einfach falsch/rechtswidrig wären.
    Dass diese Punkte nicht einfach so mit abgestimmt werden konnten, weil diese nicht mit der Einladung angekündigt waren, hat sie immerhin diskussionsfrei geschluckt, vor einigen Tagen hat sie allerdings angekündigt, dass sie dazu einen erneuten Antrag für die kommende Generalversammlung stellen will.

    Okay soweit so gut… Zusammenfassend: Die Frau schießt seit mehreren Jahren quer, stiftet Unfrieden, provoziert und scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben mich (und meine Schwester?) fertig zu machen oder gar loszuwerden. Das Vereinswohl scheint sie -wenn überhaupt- nur zweitrangig zu interessieren.
    Mittlerweile ist mindestens ein Mitglied wegen ihr schon ausgetreten, andere hatten angedeutet, dass der Unfriede zumindest teilweise Grund für einen Austritt waren.
    Einige aktive Mitglieder, besonders aber auch viele ehemalige und passive haben mich schon gefragt, warum wir sie nicht schon lange rausgeworfen haben oder sie nicht jetzt rauswerfen.

    Bis vor einem halben Jahr dachte ich, dass wir es hinkriegen können wie erwachsene Menschen miteinander umzugehen, auch wenn wir wohl nie beste Freunde werden.
    In der Zwischenzeit bin ich aber auch an einem Punkt an dem ich sage: Ich kann nicht mehr, es geht nicht mehr, weil es den Verein einfach nur noch kaputt macht.

    Laut unserer Satzung sind folgende Ausschlussgründe möglich:
    „Der Ausschluss eines Mitglieds kann durch den Beschluss des Gesamtvorstandes erfolgen,
    – wenn gegen die Satzung oder die Beschlüsse des Vorstandes verstoßen wurde.
    – wenn das Ansehen des Vereins geschädigt wurde.“
    Da sich „das Ansehen des Vereins“ aber eher auf die Außenwirkung bezieht und sich ihr Verhalten mehr vereinsintern schädigend auswirkt und sie sich auch nicht gegen Vorstandsentscheidungen stellte, kann ich hiermit schlecht argumentieren…

    Kennt sich jemand damit aus, ob auch weitere Gründe einen Ausschluss rechtfertigen würden?

    Am Freitag kommende Woche haben wir eine Vorstandssitzung. Eigentlich würde ich sie, als Problem, gerne ansprechen, ich sehe es aber als sehr schwierig an, dass der zweite Vorsitzende und sie so eng befreundet sind. Er würde ihr sofort alles erzählen. Ich habe auch oft den Eindruck, dass er keine eigene Meinung hat/vertritt, sondern eine Art Marionette von ihr ist.
    Ich befürchte außerdem, dass einige andere Vorstandsmitglieder einen Ausschluss für voreilig halten würden oder ihn alleine deshalb ausbremsen, weil sie es für ein persönliches Problem von mir mit ihr sehen würden…
    Deshalb habe ich schon überlegt, ob es besser wäre, wenn ein Antrag auf Ausschluss aus den Reihen der Nicht-Vorstandsmitglieder kommen würde?

    Ich weiß einfach nicht, wie ich vorgehen könnte oder sollte…

    Ich würde mich über Ratschläge, Tipps oder vielleicht sogar Berichte über ähnliche Fälle freuen.
    Danke 🙂

    hbaumann hbaumann

    Da Ihre Satzung nur zwei Ausschlussgründe benennt, wird es schwer, mit einem anderen Grund durchzukommen, falls der Ausgeschlossene vor Gericht zieht. Sie sollten daher prüfen, ob durch dieses Verhalten der Verein nicht doch in irgendeiner Weise in seiner Außendarstellung geschädigt wurde. Austritte, die aus diesem Grund erfolgt sind, könnten da durchaus als Grund angeführt werden. Immerhin gehen dem Verein dadurch Finanzen verloren. Ein anderer Grund könnte sein, wenn Sie in Erfahrung bringen, dass Interessenten wegen dieser Querelen keinen Aufnahmeantrag gestellt haben.

    Sollte die Dame ein Vorstandsamt bekleiden, könnten Sie zur nächsten Mitgliederversammlung einen Antrag auf Abwahl stellen. Wird der durch die MV allerdings abgelehnt, dann sollten Sie selbst darüber nachdenken, ob dieser Verein für Sie noch der richtige Platz ist.

    H. Baumann

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    Hallo 🙂

    Wie sieht es aus, wenn die Nicht-Vorstandsmitglieder gemeinsam einen von der Mehrheit unterzeichneten Antrag auf den Ausschluss dieses Mitglieds stellen? Die Vorstandschaft solle dann doch im Interesse der Mitglieder handeln… Sind wir dann weiter an die Gründe in der Satzung gebunden?

    Viele Grüße

    hbaumann hbaumann

    Weder der Vorstand noch die Mitglieder können sich über die Satzung hinwegsetzen. Sie sollten tatsächlich prüfen und das vielleicht auch von den Mitgliedern einschätzen lassen, ob nicht doch vereinsschädigendes Verhalten vorliegt. Die Tatsache, dass Interessenten möglicherweise deswegen keinen Aufnahmeantrag stellen, wäre schon ausreichend.

    H. Baumann

    Kein Profilbild vorhanden fuema1

    Naja, VEREINSSCHÄDIGENDES Verhalten ist es definitiv. Aber halt mehr nach innen schädigend. Und in der Satzung steht „das Ansehen des Vereins schädigen“ – das ist doch nicht unbedingt gleichzusetzen oder?
    Ich verstehe Ansehen schädigend nämlich nach außen, während vereinsschädigend auch nach innen sein kann….? Oder verstehe ich das falsch?

    Die drei letzten Interessenten haben es sich tatsächlich wegen ihr sehr sehr lange überlegt, ob sie den Aufnahmeantrag stellen sollen, haben sich aber dann doch dafür entschieden… Wir haben (hatten) lediglich ein Mitglied, dass den Verein wegen ihr nach knappen zwei Jahren verlassen hat….

    LG

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