Wir bringen keine Generalversammlung zusammen

  • This topic has 0 Antworten, 1 Teilnehmer, and was last updated vor 2 Jahre, 7 Monate by  Gerhard Eichberger.
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    Gerhard Eichberger

    Zunächst möchte ich sagen, daß ich nicht so gerne anonym auftrete – schließlich haben weder ich noch unser Verein etwas Ungesetzliches vor. Unser Verein ist in Österreich. Aber es geht mir ja nicht um die Rechtslage (die kann ich ja nachlesen). Sondern um andere Dinge…

    Zunächst zum Hintergrund unseres Vereins:

    Da in meiner Gegend keine guten Bands aufgetreten sind und ich Beziehungen zu vielen Wiener Bands habe, wollte ich, daß diese Bands auch in meiner Gegend spielen. Leider waren die Konditionen der hiesigen Veranstalter sehr schlecht und wurden von den Wiener Bands abgelehnt. (Es spielten hier nur die Bands meiner Gegend, die aber im allgemeinen nicht besonders gut waren. Diese Bands stiegen auf die Konditionen der hiesigen Veranstalter ein, da sie z. B. in Wien keinen Auftritt bekommen hätten [dazu waren diese Bands zu schlecht] und außerdem ihre Fans nicht nach Wien zu einem Konzert fahren.) Da kam ich auf die Idee, selber eine dieser Wiener Bands in meiner Gegend auftreten zu lassen. Ich wählte einen Gemeindesaal, in dem normalerweise nur Billigdorfer-Clubbings stattfinden, welche von Wirten aus dieser Kleinstadt und von Vereinen dieser Kleinstadt veranstaltet wurden. (Jeder Wirt und jeder Verein, der in dieser Stadt beheimatet ist, darf einmal jährlich eine Veranstaltung machen. Ich konnte einen Wirten überreden, da als Veranstalter aufzutreten, und die Veranstaltung fand statt. Ich kombinierte das Konzert mit einem Clubbing, verlangte 6 Euro Eintritt (wobei Frauen die Hälfte zahlten) und es gab Gratis-Leberkäsesemmeln für alle Gäste (das war eine Sponsorgeschichte). Ich bezahlte die Saalmiete und die Steuern und Abgaben. Den Getränkeverkauf machte der Wirt, der mir versprach, mir 20 % seines Getränkeumsatzes zu bezahlen. Es kamen 209 zahlende Gäste. Der Wirt bezahlte mir dann leider nichts – er sagte, daß wir erstens zuviel Eintritt verlangt haben (normalerweise wurden 2 Euro Eintritt bei einem Clubbing verlangt) und zweitens, daß viel zuwenig Gäste gekommen sind. (Dazu muß ich sagen, daß der Saal nur für 120 Gäste zugelassen ist, jedoch bei den Clubbings immer drastisch überfüllt ist.) Ich stieg mit einem geringen Verlust aus, was mir aber als Fan egal war. Dieses Konzert fand im Jahr 2002 statt.

    Ein Jahr später wollte ich wieder eine Wiener Band im selben Saal auftreten lassen. Jedoch stellten mir die Wirten die Bedingung, daß ich mindestens 500 Gäste reinlassen soll (in einen 120-Personen-Saal!), andernfalls ich den Getränkeumsatzausfall aus eigener Tasche bezahlen müßte. Endlich fand ich einen Wirten, der mir zusagte. Der sagte aber, daß er nicht als Veranstalter auftreten kann, da er bereits ein Clubbing in diesem Saal angemeldet hat und „meine“ Veranstaltung aber an einem anderen Tag sein soll (eine Kombination mit seiner Veranstaltung ließ der Wirt nicht zu, weil er bei seiner Veranstaltung 800 Gäste erwartete und bei meiner Konzert-mit-Clubbing-Veranstaltung aufgrund des höheren Eintritts sicher viel weniger Gäste kommen werden. Er meinte, daß wir einen Veranstalter bekommen würden, was dann leider nicht zutraf. Da riet mir die Stadtgemeinde, einen Verein zu gründen, um einmal jährlich dort eine Veranstaltung (also Konzert mit Clubbing) durchführen zu können. Das war der Grund, warum ich unseren Veranstaltungsverein gegründet habe. Da der Auftrittstermin sehr bald war, war Eile geboten, den Verein zu gründen, um die Veranstaltung durchführen zu können. Daher gründete ich zusammen mit einem Freund unseren Veranstaltungsverein. Leider vergab die Stadtgemeinde den Saal dann einem anderen Verein, der an unserem Termin sein Clubbing machte, obwohl unsere Plakate schon hingen. (Der Grund dafür war, daß der Verein noch nicht fertiggegründet war.)

    Nun zur Vereinsgründung:
    Zur Gründung braucht es in Österreich zwei Personen. Ich konnte einen Freund überreden, den Gründungsantrag mit zu unterschreiben; er sagte mir auch zu, als Schriftführer zu gehen unter der Prämisse, daß er nichts mit dem Verein zu tun hat. Ähnlich war es bei einigen anderen Personen, die ich gefragt habe. Wir haben im Internet Vereinsstatuten als Musterstatuten gefunden und diese nach Abänderung eingereicht. Irgendwie fehlte die Zeit, diese Statuten genauer durchzulesen, da es derart eilte (und dennoch für die Veranstaltung zu spät war). Dann wurden wir von der Vereinsbehörde zur Aufnahme der Vereinstätigkeit und zur Abhaltung der Konstituierenden Generalversammlung aufgefordert.

    Laut dem damaligen österreichischen Vereinsgesetz sind die Vorstandsmitglieder aus den bei der Konstituierenden Generalversammlung anwesenden Personen zu wählen. Leider war bei dieser Generalversammlung nur ich anwesend, also habe ich mich in alle Funktionen gewählt und gesetzesgemäß eine entsprechende Wahlanzeige an die Vereinsbehörde geschickt. Die Behörde war nicht damit einverstanden, daß ich alle 8 Funktionen (Obmann, Schriftführer, Kassier, deren Stellvertreter und die zwei Rechnungsprüfer) in einer Person bin und forderte mich zur erneuten Generalversammlung auf. Da waren dann immerhin ich und mein Freund (also der zweite Vereinsgründer) anwesend. Die anderen Vorstandsmitglieder wurden eben in Abwesenheit gewählt. (Was ja grundsätzlich möglich ist – lediglich bei der Konstituierenden Generalversammlung gelten andere Bestimmungen.)

    Allerdings konnte der Verein dann nicht wirklich tätig werden, weil des Saal dann für öffentliche Veranstaltungen jahrelang gesperrt war. Daher habe ich immer wieder vergessen, eine Generalversammlung durchzuführen. Außerdem sind einige Vorstandsmitglieder mittlerweile verzogen. Mir haben dann einige andere Leute zugesagt, diese Funktionen zu haben. Kein Einziger dieser Personen erschien bei einer Generalversammlung. Mehrmals erhielt ich Aufforderungen der Vereinsbehörde und der Vereinspolizei, dann auch mit Strafandrohung und wurde mehrmals vorgeladen. Es wurden dann Niederschriften angefertigt, daß der Verein weiterhin tätig ist und ich die Wahlanzeige nachbringe, was ich dann jeweils irgendwann gemacht habe.

    Mittlerweile wurde unser 1. Rechnungsprüfer besachwaltet (= Verlust seiner Geschäftsfähigkeit) und der 2. Rechnungsprüfer ist unbekannt verzogen.

    Augenblicklich haben wir halt wieder das Problem, daß es keine Generalversammlung gegeben hat. Die Vereinsbehörde hat mir nun einen RSb-Brief geschickt, daß der Verein aufzulösen ist. Das will ich aber nicht, da heuer die Möglichkeit besteht, in genanntem Saal ein Konzert mit meiner mittlerweile bestehenden Band zu machen, und dazu wird der Verein gebraucht.

    Soweit einmal (kurz zusammengefaßt) die augenblickliche Situation.

    Wie klingt das alles?

    Gerhard

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