Vereinsfeier ohne Kater, oder: Warum bei 60 Euro Schluss mit Feiern ist

Eine Vereinsfeier kann – auch ohne übermäßigen Alkoholgenuss – schnell zu einem Kater führen. Dann nämlich, wenn der Vereinsvorstand es allzu großzügig mit den Aufmerksamkeiten und Zuwendungen an die Mitglieder nimmt.

Beispiele: Getränke anlässlich der Vereinsfeier werden übernommen, Mitglieder erhalten im Rahmen der Weihnachtsfeier kleine Geschenke, beim Vereinsausflug ist das Mittagessen für die Vereinsmitglieder gratis, und so weiter, und so weiter.

Natürlich kann der Verein solche „Aufmerksamkeiten“ an die Mitglieder machen. Nur hat die Sache einen kleinen Haken: Als Vereinsvorstand müssen Sie hierbei strenge finanzielle Grenzen beachten, wenn Sie nicht die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für Ihren Verein gefährden wollen. Die Finanzverwaltung argumentiert hier wie folgt: „Ein Verein, der gemeinnützig sein möchte, muss selbstlos tätig sein.“ Selbstlos wiederum bedeutet: Es dürfen keine Zuwendungen an die Mitglieder erfolgen.

Nun ist die Finanzverwaltung nicht völlig weltfremd:

Auch in Deutschlands Finanzämtern weiß man, dass Geselligkeit und Vereinsfeiern zum Vereinsleben dazugehören. Aus diesem Grund wurden gewisse Grenzen definiert, innerhalb derer Aufmerksamkeiten an Mitglieder des Vereins toleriert beziehungsweise akzeptiert werden. Doch diese Grenzen sollten Sie als Vorstand dann auch tunlichst einhalten. Deshalb müssen Sie auch wissen, was alles unter diese Grenze fällt, das heißt, was die Finanzverwaltung noch akzeptiert und was nicht. Doch der Reihe nach:

Zunächst sind die zwei Begriffe „Aufmerksamkeiten“ und „Zuwendungen“ zu unterscheiden. Zuwendungen an Mitglieder sind grundsätzlich verboten. Sie dürfen also ein Mitglied nicht dafür bezahlen, dass es Tätigkeiten im Rahmen seiner Mitgliedschaft erfüllt. Eine Ausnahme stellt hier die Ehrenamtspauschale dar. Diese muss aber in der Satzung geregelt sein und für besondere ehrenamtlich ausgeführte Tätigkeiten erfolgen.

Aufmerksamkeiten“ dagegen ist ein Begriff, der aus dem Lohnsteuerrecht kommt – und den die Finanzverwaltung sozusagen der Einfachheit halber auch für das Vereinsrecht anwendet.

Geregelt sind diese „Aufmerksamkeiten“ in den Lohnsteuerrichtlinien. Die Finanzverwaltung argumentiert: Zuwendungen entsprechend der Lohnsteuerrichtlinien stellen keine unerlaubten Zuwendungen dar – und sind deshalb möglich.

Doch was steht in den Lohnsteuerrichtlinien genau?

Unter anderem ist dort die Rede vom „Arbeitgeber“. Wundern Sie sich nicht – im Vereinsrecht werden diese Regelungen sozusagen „hilfsweise“ angewendet. Ersetzen Sie im Kopf also das Wort „Arbeitgeber“ einfach durch „Verein“ und das Wort „Arbeitnehmer“ einfach durch „Mitglieder“.

Und so steht es in den Lohnsteuerrichtlinien:

Aufmerksamkeiten sind Sachzuwendungen bis zu einem Wert von 60 Euro, z. B. Blumen, Genussmittel, ein Buch oder ein Tonträger, die dem Arbeitnehmer oder seinen Angehörigen aus Anlass eines besonderen persönlichen Ereignisses zugewendet werden. Geldzuwendungen gehören stets zum Arbeitslohn, auch wenn ihr Wert gering ist.

Als Aufmerksamkeiten gehören auch Getränke und Genussmittel, die der Arbeitgeber den Arbeitnehmern zum Verzehr im Betrieb unentgeltlich oder teilentgeltlich überlässt, nicht zum Arbeitslohn.

Dasselbe gilt für Speisen, die der Arbeitgeber den Arbeitnehmern anlässlich und während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes, z. B. während einer außergewöhnlichen betrieblichen Besprechung oder Sitzung, im ganz überwiegenden betrieblichen Interesse an einer günstigen Gestaltung des Arbeitsablaufs unentgeltlich oder teilentgeltlich überlässt und deren Wert 60 Euro nicht überschreitet.

Damit wird schon eine Menge zu den Bewirtungskosten, die gemeinnützige Vereine veranschlagen können, klarer:

Sie können den Mitgliedern also auf Grund eines besonderen Vereinsanlasses eine Aufmerksamkeit im Wert von maximal 60 Euro zukommen lassen. Das kann zum Beispiel eine vergünstigte oder unentgeltliche Bewirtung bei der Weihnachtsfeier oder auf dem Sommerfest sein.

Was hierbei ganz wichtig ist: Die 60-Euro-Grenze stellt eine Jahresobergrenze dar! Das heißt: Pro Jahr und Mitglied darf für alle Aufmerksamkeiten zusammen diese Grenze nicht überschritten werden!

Beispiel: Sie „gönnen“ den Mitgliedern anlässlich des Sommerfestes und der Weihnachtsfeier kleine Geschenke und eine kostenlose Bewirtung. In dem Fall müssen Sie alle Kosten aus beiden Feiern zusammenrechnen und durch die Zahl der teilnehmenden Mitglieder teilen. Mehr als 60 Euro pro Person dürfen dabei dann nicht herauskommen.

Doch es kommt noch dicker: Angenommen, Sie bestellen zur weihnachtlichen Vereinsfeier einen Nikolaus für 100 Euro und mieten für das Frühlingsfest der Mitglieder einen Raum und einen Disc-Jockey an. Dann zählen die Kosten für den Nikolaus und die Kosten für den Disk-Jockey mit. Sie müssen sie also berücksichtigen.

Beispiel:

Aufwendung pro Mitglied Weihnachtsfeier: 29 Euro
Aufwendung pro Mitglied Frühlingsfest: 28 Euro
Gesamt: 57 Euro 

 

In diesem Fall bleiben nur 3 Euro pro teilnehmendes Mitglied der Vereinsfeier über, um Disk-Jockey und Nikolaus zu bezahlen!

Tipp: Werfen Sie aber noch mal einen Blick auf den dritten Absatz der oben zitierten Lohnsteuerrichtlinien. Darin ist von Aufmerksamkeiten anlässlich eines besonderen Einsatzes die Rede. Auch das gilt für Ihren Verein. Im Klartext:

Während eines außergewöhnlichen Arbeitseinsatzes können Sie zusätzliche Aufmerksamkeiten „unentgeltlich oder teilentgeltlich“ überlassen – solange deren Wert die „magischen“ 60 Euro wiederum nicht überschreitet. So ein „außergewöhnlicher Arbeitseinsatz“ kann sein:

  • die Mithilfe bei einer Vereinsfeier,
  • eine Klausurtagung oder ganztägige Tagung/Besprechung eines Vereins,
  • die Mithilfe bei Sonderaktionen, wie z. B. Frühjahrsinstandsetzung,
  • ein Katastropheneinsatz,
  • und, und, und.

Und noch eine Ausnahme gibt es:

Bislang war ja immer die Rede von Aufmerksamkeiten, die mehreren Mitgliedern – wie zum Beispiel auf einer Vereinsfeier – gleichzeitig zugute kommen. Daneben gibt es aber noch die Aufmerksamkeiten anlässlich persönlicher Ereignisse. Und hier gilt: Aufmerksamkeiten aus Anlass eines solchen persönlichen Ereignisses können Sie ebenfalls gewähren. Und zwar für JEDES Ereignis in Höhe von 60 Euro. Beispiel: Mitglied Thomas Müller feiert seinen 50. Geburtstag und sein 25. Vereinsjubiläum. Für beide Anlässe können Sie jeweils 60 Euro für Aufmerksamkeiten aufwenden.

Noch ganz wichtig zum Schluss: Geld aber dürfen Sie in keinem Fall geben! So steht es ja auch im ersten Absatz der oben zitierten Lohnsteuerrichtlinien. Denn Geld kann niemals eine „Aufmerksamkeit“ sein.

Die wichtigsten Vereinsordnungen
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