Ehrenamtspauschale

Die Ehrenamtspauschale – Überblick


Was ist die Ehrenamtspauschale?

Die Ehrenamtspauschale ist ein persönlicher Steuerfreibetrag in Höhe von 720 €/Jahr. Sie kann allen nebenberuflich ehrenamtlich Tätigen in

  • Einrichtungen zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke nach § 5 Abs.1 Nr. 9 des Körperschaftsteuergesetzes (also in gemeinnützigen Vereinen, Personenvereinigungen, Stiftungen) aber auch in
  • juristischen Personen des öffentlichen Rechts (Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände, Industrie und Handelskammern, Rechtsanwalts-, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskammern, Ärztekammern, Universitäten oder Trägern der Sozialversicherung)

zugutekommen, sofern er ihnen aufgrund eines Beschlusses (Vorstand/Mitgliederversammlung) oder einer Satzungsregelung sowie ggf. einer entsprechenden Vereinbarung konkret zusteht.

Im Klartext: Den Freibetrag von 720 € kann steuerfrei nur erhalten, wer auch tatsächlich einen Anspruch darauf hat. Man kann also nicht einfach 720 € von der Steuer abziehen mit der Begründung: „Ich arbeite ja ehrenamtlich.“
Es geht auch andersherum: Man kann bis zu 720 € im Jahr zusätzlich steuerfrei einstreichen! Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Übrigens: Ehepaare können laut BMF-Schreiben vom 25.11.2008 (Az.: IV C 4 S 2121/07/0010) sogar doppelt profitieren. Sind beide ehrenamtlich in entsprechenden Organisationen tätig, können auch beide 720 € pro Jahr steuerfrei erhalten. Ob sie gemeinsam veranlagt werden oder nicht, spielt keine Rolle!

Tipp: Bei der Ehrenamtspauschale handelt es sich um einen JAHRESfreibetrag. Das heißt, man muss nicht das ganze Jahr über ehrenamtlich tätig sein, um den vollen Betrag erhalten zu können! Da stellt sich Ihnen natürlich die Frage:

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Wer wird von der Ehrenamtspauschale begünstigt?

Auch hier hat das oben genannte BMF-Schreiben für einiges an Klarheit gesorgt. Begünstigt sind demnach alle nebenberuflichen Tätigkeiten im ehrenamtlichen Bereich (= ideeller Bereich und Zweckbetrieb). Und das eröffnet einen weiten Spielraum. Begünstigt sind damit beispielsweise:

  1. Mitglieder des Vorstands
  2. Kassierer
  3. Bürokräfte, soweit nicht mit dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb befasst
  4. Platzwart
  5. Aufsichtspersonal
  6. Betreuer
  7. Assistenzbetreuer im Sinne des Betreuungsrechts
  8. und, und, und

Können alle Personengruppen profitieren?

Auch das ist eine Frage, die das BMF mit BMF-Schreiben vom 25.11.2008 eindeutig beantwortet hat: Ja, solange die Tätigkeit nebenberuflich ausgeübt wird, das heißt: nicht mehr als 1/3 der Zeit eines vergleichbaren  Vollzeiterwerbs umfasst.

Positiv ist: Dazu zählt das BMF in seinem Schreiben ausdrücklich auch Hausfrauen, Schüler, Arbeitslose, Studenten und Rentner. Auch ALG-II-Empfänger gehören dazu. Für Vorstände gilt aber eine wichtige Voraussetzung! Soll der Vorstand die Ehrenamtspauschale erhalten, muss hierfür unbedingt eine Satzungsgrundlage existieren. Wird die Ehrenamtspauschale an den Vorstand ohne Satzungsgrundlage gezahlt, ist die Gemeinnützigkeit massiv in Gefahr, unter Umständen führt das zur Nachforderung von Steuern.

Eine solche Satzungsformulierung kann lauten: „Bei Bedarf können Vereinsämter im Rahmen der haushaltsrechtlichen Möglichkeiten entgeltlich auf der Grundlage eines Dienstvertrages oder gegen Zahlung einer Aufwandsentschädigung nach § 3 Nr. 26a EStG ausgeübt werden. Die Entscheidung über eine entgeltliche Vereinstätigkeit trifft [zuständiges Organ benennen z.B. Vorstand/ Mitgliederversammlung]. Gleiches gilt für die Vertragsinhalte und die Vertragsbeendigung.“

Tipp: Wenn die Satzung wie in dem obigen Beispiel vorsieht, dass eine Entscheidung getroffen wird, muss diese Entscheidung auch tatsächlich getroffen worden sein, bevor die Zahlung zulässig ist. Sorgen Sie dafür, dass dies satzungskonform geschieht (Tagesordnung, Mehrheiten) und dass die Entscheidung protokolliert ist. Achten Sie auf Ihre Nachweispflichten!

Wenn Sie Ehrenamtlichen die Ehrenamtspauschale zahlen, muss sich aus den Vereinsunterlagen natürlich auch ergeben, wer die pauschale Vergütung (denn darum handelt es sich ja) erhält und wofür.

Zudem muss der Ehrenamtliche Ihnen schriftlich bestätigen, dass er nicht bei einem anderen Verein die Ehrenamtspauschale bereits in Anspruch nimmt. Schließlich stellen die 720 € die Jahresobergrenze dar. Diese kann zwar überschritten werden, dann ist der übersteigende Teil aber zu versteuerndes Einkommen des Vereinsmitarbeiters. Doch ehe der Verein in eine teure Steuerfalle gerät, nehmen Sie diese Bestätigung unbedingt mit zu den Unterlagen. Dann ist der Schwarze Peter beim Vereinsmitarbeiter! Schließen Sie mit den Ehrenamtlichen eine schriftliche Vereinbarung über ihre Tätigkeit im Bereich des § 3 Nr. 26a EStG!

Achtung: Verzichten Sie niemals auf diese Vereinbarung und schließen Sie sie grundsätzlich mit allen Ehrenamtlichen ab, die in den Genuss der Ehrenamtspauschale kommen sollen, egal, ob es sich um eine längerfristige Mitarbeit (z. B. als Vorstandsmitglied, Chorleiter) oder um eine kurzfristige Aushilfstätigkeit (z. B. als Helfer beim Tag der offenen Tür) handelt. Denn nur mit einer solchen Vereinbarung ist Ihr Verein auf der sicheren Seite und Sie können dem Finanzamt gegenüber steuerlich geförderte Engagements mit den dazugehörigen Zahlungen exakt nachweisen.

Tipp: Das Muster einer solchen Vereinbarung finden Sie im nur Abonnenten zugänglichen Bereich unter www.vereinswelt.de.Mit der Ehrenamtspauschale die 450-€-Grenze knacken!Vielleicht beschäftigen Sie im Verein ja auch Mitarbeiter im Rahmen der 450-€-Grenze. Auch hier hilft die Ehrenamtspauschale, sofern die Mitarbeiter im ideellen Bereich beziehungsweise für den Zweckbetrieb des Vereins tätig sind.

Fallbeispiel: Frau Müller, die gute Seele des Vereins, erledigt für den gemeinnützigen Verein nebenberuflich alle Aufgaben in der Geschäftsstelle auf 450-€-Basis und kümmert sich um die Mitgliederverwaltung, Lastschriften, Rechnungsläufe und Co. Das alles findet im ideellen Bereich beziehungsweise im steuerbegünstigten Zweckbetrieb statt.

Dann könnte Ihre Rechnung zukünftig so aussehen:

Monatlicher Verdienst:   450,00€
Zusatzverdienst aus Ehrenamtspauschale:   60,00€(720€/12)
Gesamtverdienst:   510,00€

Trotzdem wird die 450-€-Grenze für Minijobs nicht berührt, denn die Ehrenamtspauschale ist ja komplett steuerfrei. Sie brauchen hierfür also auch nicht die rund 30 % Pauschalabgaben zahlen, die auf den 450-€- Job anfallen.

Aus 720 € mach 975,99 €. Zahlreiche Vorstände haben in der Vergangenheit vom § 22 Nr. 3 S. 2 EStG profitiert, wonach Einkünfte bis 255,99 € pro Jahr (also weniger als 256 € pro Jahr) steuerfrei waren. Diese Regelung gilt weiterhin und kann von Ihnen genutzt werden.

Beispiel:

Vergütung jährlich:   975,99 €
Abzgl. Ehrenamtspauschale:  – 720,00 €
Einkünfte:   255,59 €

Folge: Der verbleibende Betrag von 259,99 € liegt innerhalb der Freigrenze des § 22 Nr. 3 S. 2 EStG (er liegt ja unter 256 €). Steuern und Abgaben fallen also nicht an.

Ehrenamtspauschale und Übungsleiterfreibetrag

Aus dem Gesetzestext in § 3 Nr. 26a EStG (Ehrenamtspauschale) ergibt sich, dass sich Ehrenamtspauschale (§ 3 Nr. 26a EStG) und Übungsleiterfreibetrag (§ 3 Nr. 26 EStG) bei gleichartigen Tätigkeiten nicht miteinander kombinieren lassen.

Fallbeispiel: Übungsleiter Müller nutzt bereits die Übungsleiterpauschale in Höhe von 2.400 € und möchte nun für seine Übungsleitertätigkeit auch noch die Ehrenamtspauschale in Anspruch nehmen.

Folge: Die Übungsleiterpauschale beträgt 2.400 €/ Jahr. Erhält er noch 720 € aus der Ehrenamtspauschale, muss er trotzdem 720 € versteuern. Denn in diesem Fall lassen sich beide Freibeträge nicht miteinander kombinieren.

Anders aber sieht das aus, wenn Herr Müller als Übungsleiter die Übungsleiterpauschale z.B. für seine Tätigkeit als Trainer der Jugendgruppe erhält und außerdem im Vorstand als zweiter Vorsitzender tätig ist. Da beide Tätigkeiten vollkommen getrennt voneinander sind, kann er in diesem Fall die Ehrenamtspauschale zusätzlich nutzen.

Sie sehen: Hier kommt es auf Ihre Dokumentation an, damit einwandfrei ersichtlich ist, dass es unterschiedliche Zahlungen für unterschiedliche Tätigkeiten sind. Wenn Sie das gewährleisten, geht die Kombination vollkommen in Ordnung!

Das gilt für die Übungsleiterpauschale

Wer das Wort „Übungsleiter“ hört, denkt zunächst an Sporttrainer. Doch im fiskalischen Sinn ist der Begriff des Übungsleiters sehr viel weiter gefasst. Der Fiskus versteht darunter auch Tätigkeiten als Ausbilder, Erzieher, Orchesterleiter und, und, und. Entscheidend ist, dass die von den Übungsleitern ausgeübten Tätigkeiten dazu bestimmt sind, gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke zu fördern.

Gemeinnützige Zwecke werden verfolgt, wenn die Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.
Dazu zählen zum Beispiel:

  • § die Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur, der Religion, der Völkerverständigung, der Entwicklungshilfe, des Umweltschutzes, des Landschaftsschutzes, des Denkmalschutzes und des Heimatgedankens,
  • § die Förderung der Jugendhilfe, der Altenhilfe, des öffentlichen Gesundheitswesens, des Wohlfahrtswesens und des Sports,
  • § die Förderung der Tierzucht, der Pflanzenzucht, der Kleingärtnerei und des traditionellen Brauchtums.

Begünstigte Tätigkeiten sind damit beispielsweise: Chorleiter, Dirigent, Jugendleiter, Jugendwart, Mannschaftsbetreuer, Skilehrer, Sporttrainer.
Begünstigt sind aber auch: Lehr-und Vortragstätigkeiten im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung, Tätigkeiten im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung, die nebenberufliche Pflege im ambulanten Pflegedienst, Altenhilfe.

Wichtig: Der Übungsleiter muss einen dokumentierten Anspruch auf die Übungsleiterpauschale haben. Schließen Sie deshalb stets einen entsprechenden Vertrag. Ein Muster finden Sie ebenfalls auf www.vereinswelt.de. Und nicht vergessen: Es darf keine „Vermischung“ mit einem eventuell ausgeübten Hauptberuf geben. Das Finanzamt fordert eine inhaltliche und organisatorische Abgrenzung der Tätigkeit, für die die Übungsleiterpauschale gezahlt wird, vom eigentlichen Hauptberuf.

Fallbeispiel: Konrad Gräbner ist Musiklehrer an der Realschule und erteilt Musikunterricht an der örtlichen Volkshochschule. Das bedeutet: Er kann nicht von der Übungsleiterpauschale profitieren, die echte nebenberufliche Dozenten an der Volkshochschule sonst erhalten können. Denn die beiden Tätigkeiten von Herrn Gräbner lassen sich zwar organisatorisch voneinander abgrenzen (Realschule versus Volkshochschule), aber nicht inhaltlich.

Das gilt für den Vorstand

Für eine Zahlung der Ehrenamtspauschale an Mitglieder oder auch Nichtmitglieder darf die Satzung keinen Ausschluss enthalten. Für den Vorstand gilt etwas anderes. Soll er die Ehrenamtspauschale erhalten, muss die Satzung hierfür ausdrücklich eine Satzungsregelung enthalten. Das ist enorm wichtig.

Wird die Ehrenamtspauschale an den Vorstand ohne Satzungsgrundlage gezahlt, kostet das – auch rückwirkend – die Gemeinnützigkeit. Und zwar so lange, bis der „ordnungsgemäße“ Zustand wiederhergestellt ist. Sprich: Bis das der Vorstand entweder keine Ehrenamtspauschale mehr erhält – oder die Satzung geändert wurde.

Das gilt bei einmaligen oder befristeten Tätigkeiten

Die Ehrenamtspauschale darf von Ihrem Verein auch für befristete oder einmalige Tätigkeiten ausgezahlt werden. Eine zeitanteilige unterjährige Aufteilung ist nicht erforderlich. Es müssen ja nicht gleich die vollen 720 € sein.

Die Ehrenamtspauschale ist eine gute Möglichkeit Ihre Vereinsmitglieder für ihr Engagement zu belohnen. Hier zeigen wir Ihnen, wie eine Sie den Erhalt dieser Pauschale rechtssicher Bescheinigen.

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