Wie Sie die Übungsleiterpauschale in Vereinen richtig anwenden

3.000  Euro jährlich kann derjenige ab 2020 steuerfrei verdienen, der Anspruch auf die Übungsleiterpauschale (oder auch „Übungsleiterfreibetrag“) nach § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) hat. Noch in den Jahren zuvor lag der Betrag bei 2.400 Euro. 

Doch ein Urteil des Hessischen Finanzgerichts zeigt, dass der Schatzmeister lieber gründlich prüfen sollte, wer den Übungsleiterfreibetrag beanspruchen darf (FG-Urteil, veröffentlicht am 25.2.2016, Az. 12 K 1017/15).

In diesem Beitrag erfahren Sie Interessantes rund ums Thema Übungsleiterpauschale, unter anderem die Voraussetzungen, unter welchen diese Anwendung findet. Enthalten ist auch eine Checkliste, die Ihnen als Hilfe beim Aufsetzen von Übungsleiter-Verträgen dienen wird.

Ein Sporttrainer spricht auf dem Fußballfeld mit den Spielern. Jetzt erfahren Sie, bei welchen Tätigkeiten Vereine häufig die Übungsleiterpauschale vergeben.

Quelle: Adria Crehuet / Unsplash

Sporttrainer & Co.: in diesen Fällen vergeben Vereine oft die Übungsleiterpauschale 

Mit der Übungsleiterpauschale können also Ehrenamtliche bis zu 3.000 Euro im Jahr steuerlich geltend machen. Sie betrifft das Einkommen aus ehrenamtlichen Tätigkeiten, welches unter bestimmten Bedingungen steuer- somit sozialabgabenfrei ist.

Im Hinblick auf die Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen sind insbesondere folgende Tätigkeiten steuerlich begünstigt:

  • die Tätigkeit als Sporttrainer, Sportwart oder Mannschaftsbetreuer
  • die Tätigkeit als Chorleiter oder Dirigent
  • die Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung (Veranstalten von Kursen, Halten von Vorträgen, Erteilen von Unterricht)
  • Tätigkeiten im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung (z. B. Leiten einer Arbeitsgemeinschaft für Mitarbeiter von Vereinsgeschäftsstellen).

Darüber hinaus sind auch künstlerische Tätigkeiten steuerlich begünstigt. Für eine kunstgewerbliche Betätigung gilt die steuerfreie Aufwandsentschädigung dagegen nicht.

Nebenberuflichkeit: ein wichtiges Kriterium bei der Übungsleiterpauschale

In § 3 Nr. 26 EStG  ist ausdrücklich von Nebenberuflichkeit die Rede. 

Das heißt: Wer einer Tätigkeit als Übungsleiter, Trainer, Betreuer, Erzieher, Chorleiter usw. im Verein hauptberuflich nachgeht, für den kommt der Übungsleiterfreibetrag gar nicht erst in Betracht.

“Nebenberuflich” – was bedeutet das eigentlich?

Nebenberuflichkeit liegt immer dann vor, wenn die Tätigkeit der betreffenden Person nicht mehr als ein Drittel der Zeit beansprucht, die sie für einen Hauptberuf aufbringen würde oder tatsächlich aufbringt.

Die Grenzen der Nebenberuflichkeit sind vielfältig

Bei einer maximalen regelmäßigen Wochenarbeitszeit von bis zu 14 Stunden geht der Fiskus noch von einer Nebenberuflichkeit aus. 

Im Einzelfall kann auch eine höhere Stundenzahl steuerunschädlich sein, wenn der Übungsleiter eine höhere tarifliche Arbeitszeit nachweist. 

Diese Grenze bezieht sich außerdem auch auf den Jahresdurchschnitt. Der Übungsleiter kann also beispielsweise in den Ferienmonaten weniger und in anderen Monaten dafür etwas mehr für den Verein tätig sein.

Anspruch auf die Übungsleiterpauschale: ja oder nein? [Beispiel aus der Praxis]

Beispiel: Ein ehrenamtlich tätiger Auditor möchte die Übungsleiterpauschale erhalten. Das ist jemand, der Unis für das Anbieten von Bachelorstudiengängen fit macht. 

Seine Arbeit dient zweifelsohne einem nützlichen Zweck, doch die Übungsleiterpauschale gibt es trotzdem nicht. Denn nach § 3 Nr. 26 EStG sind Einnahmen aus 

  1. nebenberuflichen Tätigkeiten
  • Übungsleiter
  • Ausbilder
  • Erzieher
  • Betreuer usw.
  1. nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten
  2. der nebenberuflichen Pflege
  • alter, 
  • kranker
  • behinderter Menschen im Dienst 

oder 

  1. im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts

steuerfrei

Der Schatzmeister sollte daher, ehe er jemanden die Übungsleiterpauschale zahlt, die Liste der begünstigten Tätigkeiten konsultieren – zuletzt von der Oberfinanzdirektion Frankfurt aktualisiert (OFD Frankfurt/M. v. 22.03.2018 – S 2245 A – 2 – St 213).

Übungsleiterpauschale & Minijob kombinieren: geht das? 

Oft stellen sich Vereine die Frage: 

Können wir einem Betreuer/ Übungsleiter/Lehrer, der auf 450-Euro-Basis (Mini-Job) beschäftigt ist, auch die sogenannte Übungsleiterpauschale gewähren? 

Die Antwort: ein eindeutiges JA!

Denn die Übungsleiterpauschale stellt kein Gehalt dar, sondern gilt in den Augen des Finanzamts als Aufwandsentschädigung

Es spielt keine Rolle, ob der Übungsleiter durch den 450-Euro-Job eine Arbeitnehmerstellung hat oder nicht, denn die Übungsleiterpauschale in Höhe von 3.000 Euro kann zusätzlich bezahlt werden. 

Das bedeutet konkret, dass der Verein Betreuern und Übungsleitern monatlich 450 Euro plus 250 Euro (= 3000/12) = 700 Euro steuerfrei zahlen darf.

Übungsleitervertrag aufsetzen: Checkliste für den Vorstand

Wenn im Verein ein Übungsleiter tätig werden soll, ist es wichtig, mehrere Punkte in den Vertrag aufzunehmen. Wir haben sie in der folgenden Checkliste zusammengestellt.

  • Wird ausdrücklich erwähnt, dass es sich um einen Vertrag für einen nebenberuflichen Übungsleiter handelt?
  • Werden die Vertragsparteien korrekt bezeichnet?
  • Ist geregelt, wann der Übungsleitervertrag beginnt?
  • Werden die Aufgaben des Übungsleiters konkret angegeben?
  • Wird ausdrücklich erwähnt, dass der Übungsleiter eine steuerfreie Entschädigung zur pauschalen Abgeltung seines Aufwands erhält?
  • Ist geregelt, wann die Aufwandsentschädigung fällig wird (in der Regel am Ende des Monats)?
  • Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters darüber, dass er keine gleichartigen nebenberuflichen Tätigkeiten ausübt (diese werden nämlich zusammengerechnet)?
  • Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters darüber, inwieweit er im Jahr des Vertragsabschlusses bereits bei einem anderen Verein/Auftraggeber von der Übungsleiterpauschale profitiert hat?
  • Verpflichtet sich der Übungsleiter vertraglich, den Verein bei Aufnahme einer weiteren nebenberuflichen Tätigkeit umgehend zu informieren?
  • Für den Fall, dass der Übungsleiter mehrere begünstigte Nebentätigkeiten ausübt: Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters, ob und in welchem Umfang die Übungsleiterpauschale noch nicht “verbraucht” ist?
  • Versichert der Übungsleiter mit seiner Unterschrift, dass er seine Angaben wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat?

Fazit: Die Übungsleiterpauschale steht nicht jedem zu

Wer sich im Verein in einer der genannten zulässigen Tätigkeit engagiert, kommt für den Übungsleiterfreibetrag bzw. Übungsleiterpauschale infrage. 

Das ist allerdings nur der Fall, wenn es sich um eine nebenberuflich ausgeübte Tätigkeit handelt. 

Der 450-Euro-Job (Minijob) steht der Pauschale nicht im Wege. Wegen der vielen Punkte, die es zu beachten gilt, sollte der Vertrag mit besonderer Sorgfalt aufgesetzt werden.

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FAQ rund um die Übungsleiterpauschale

Sie können mit einer Übungsleiterpauschale rechnen, wenn Sie Sporttrainer, Sportwart, Mannschaftsbetreuer, Chorleiter oder Dirigent sind, eine Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung oder im Bereich der beruflichen Aus- und Fortbildung ausüben.

Seit 2020 beträgt die jährliche Grenze 3.000 Euro.

Bei 14 Stunden pro Woche sieht der Fiskus noch als eine nebenberufliche Tätigkeit an, doch es gibt auch Ausnahmen, bei denen auch mehr Stunden/Woche erlaubt sind – zum Beispiel wenn der Übungsleiter eine höhere tarifliche Arbeitszeit nachweist.

Von Nebenberuflichkeit ist die Rede, wenn jemand einer Tätigkeit nachgeht, die nicht mehr als ein Drittel der Zeit in Anspruch nimmt, die die Person für einen Hauptberuf aufbringen würde.
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