Voraussetzungen für den Übungsleiterfreibetrag

2.400 Euro jährlich kann derjenige steuerfrei verdienen, der Anspruch auf den Übungsleiterfreibetrag (oder auch „Übungsleiterpauschale“) nach § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz (EStG) hat. Doch ein Urteil des Hessischen Finanzgerichts zeigt, dass der Schatzmeister lieber gründlich prüfen sollte, wer den Übungsleiterfreibetrag beanspruchen darf (FG-Urteil, veröffentlicht am 25.2.2016, Az. 12 K 1017/15).

Hier gilt die Übungsleiterpauschale nicht

Im genannten Fall wollte ein ehrenamtlich tätiger Auditor die Übungsleiterpauschale erhalten. Das ist jemand, der Unis für das Anbieten von Bachelorstudiengängen fit macht. Seine Arbeit dient zweifelsohne einem nützlichen Zweck, doch die Übungsleiterpauschale gibt es trotzdem nicht. Denn nach § 3 Nr. 26 EStG sind Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten als

  • Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer oder vergleichbaren nebenberuflichen Tätigkeiten, aus nebenberuflichen künstlerischen Tätigkeiten oder der nebenberuflichen Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen im Dienst oder im Auftrag einer juristischen Person des öffentlichen Rechts

steuerfrei. Der Schatzmeister sollte daher, ehe er jemanden die Übungsleiterpauschale zahlt, die Liste der begünstigten Tätigkeiten konsultieren – zuletzt von der Oberfinanzdirektion Frankfurt aktualisiert (OFD Frankfurt/M. v. 22.03.2018 – S 2245 A – 2 – St 213).

Für diese Tätigkeiten wird die Übungsleiterpauschale oft vergeben

Im Hinblick auf die Mitarbeit in gemeinnützigen Vereinen sind insbesondere folgende Tätigkeiten steuerlich begünstigt:

  • die Tätigkeit als Sporttrainer, Sportwart oder Mannschaftsbetreuer
  • die Tätigkeit als Chorleiter oder Dirigent
  • die Lehr- und Vortragstätigkeit im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung (Veranstalten von Kursen, Halten von Vorträgen, Erteilen von Unterricht)
  • Tätigkeiten im Rahmen der beruflichen Aus- und Fortbildung (z. B. Leiten einer Arbeitsgemeinschaft für Mitarbeiter von Vereinsgeschäftsstellen).

Darüber hinaus sind auch künstlerische Tätigkeiten steuerlich begünstigt. Für eine kunstgewerbliche Betätigung gilt die steuerfreie Aufwandsentschädigung dagegen nicht.

Übungsleiterfreibetrag kann mit dem Minijob kombiniert werden

Oft stellt sich in Vereinen die Frage: Können wir einem Betreuer/ Übungsleiter/Lehrer, der auf 450-Euro-Basis beschäftigt ist, auch die sogenannte Übungsleiterpauschale gewähren? Das ist eindeutig zu bejahen, denn die Übungsleiterpauschale stellt kein Gehalt dar, sondern gilt in den Augen des Finanzamts als Aufwandsentschädigung. Es spielt keine Rolle, ob der Übungsleiter durch den 450-Euro-Job eine Arbeitnehmerstellung hat oder nicht, denn die Übungsleiterpauschale in Höhe von 2.400 Euro kann zusätzlich bezahlt werden. Das bedeutet konkret, dass der Verein Betreuern und Übungsleitern monatlich 450 Euro plus 200 Euro (= 2.400/12) = 650 Euro steuerfrei zahlen darf.

Nebenberuflichkeit ist ein wichtiges Kriterium

In § 6 EStG ist ausdrücklich von Nebenberuflichkeit die Rede. Das heißt: Wer einer Tätigkeit als Übungsleiter, Trainer, Betreuer, Erzieher, Chorleiter usw. im Verein hauptberuflich nachgeht, für den kommt der Übungsleiterfreibetrag gar nicht erst in Betracht.

Was aber heißt “nebenberuflich” genau?

Nebenberuflichkeit liegt immer dann vor, wenn die Tätigkeit der betreffenden Person nicht mehr als ein Drittel der Zeit beansprucht, die sie für einen Hauptberuf aufbringen würde oder tatsächlich aufbringt.

Die Grenzen der Nebenberuflichkeit sind vielfältig

Bei einer maximalen regelmäßigen Wochenarbeitszeit von bis zu 14 Stunden geht der Fiskus noch von einer Nebenberuflichkeit aus. Im Einzelfall kann auch eine höhere Stundenzahl steuerunschädlich sein, wenn der Übungsleiter eine höhere tarifliche Arbeitszeit nachweist. Diese Grenze bezieht sich außerdem auch auf den Jahresdurchschnitt. Der Übungsleiter kann also beispielsweise in den Ferienmonaten weniger und in anderen Monaten dafür etwas mehr für den Verein tätig sein.

Die Checkliste für den Vorstand

Wenn im Verein ein Übungsleiter tätig werden soll, ist es wichtig, mehrere Punkte in den Vertrag aufzunehmen. Wir haben sie in der folgenden Checkliste zusammengestellt.

Wird ausdrücklich erwähnt, dass es sich um einen Vertrag für einen nebenberuflichen Übungsleiter handelt?

  • Werden die Vertragsparteien korrekt bezeichnet?
  • Ist geregelt, wann der Übungsleitervertrag beginnt?
  • Werden die Aufgaben des Übungsleiters konkret angegeben?
  • Wird ausdrücklich erwähnt, dass der Übungsleiter eine steuerfreie Entschädigung zur pauschalen Abgeltung seines Aufwands erhält?
  • Ist geregelt, wann die Aufwandsentschädigung fällig wird (in der Regel am Ende des Monats)?
  • Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters darüber, dass er keine gleichartigen nebenberuflichen Tätigkeiten ausübt (diese werden nämlich zusammengerechnet)?
  • Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters darüber, inwieweit er im Jahr des Vertragsabschlusses bereits bei einem anderen Verein/Auftraggeber von der Übungsleiterpauschale profitiert hat?
  • Verpflichtet sich der Übungsleiter vertraglich, den Verein bei Aufnahme einer weiteren nebenberuflichen Tätigkeit umgehend zu informieren?
  • Für den Fall, dass der Übungsleiter mehrere begünstigte Nebentätigkeiten ausübt: Enthält der Vertrag eine Erklärung des Übungsleiters, ob und in welchem Umfang die Übungsleiterpauschale noch nicht “verbraucht” ist?
  • Versichert der Übungsleiter mit seiner Unterschrift, dass er seine Angaben wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen und Gewissen gemacht hat?

Fazit: Die Übungsleiterpauschale steht nicht jedem zu

Wer sich im Verein in einer der genannten zulässigen Tätigkeit engagiert, kommt für den Übungsleiterfreibetrag infrage. Das ist allerdings nur der Fall, wenn es sich um eine nebenberuflich ausgeübte Tätigkeit handelt. Der 450-Euro-Job steht der Pauschale nicht im Wege. Wegen der vielen Punkte, die es zu beachten gilt, sollte der Vertrag mit besonderer Sorgfalt aufgesetzt werden.

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